06.01.2009
Lüneburger Herzstück für kleine Windenergieanlagen
Dutzende großer Windkrafträder prägen Geest und Marsch im Kreis Lüneburg, Zehntausende sind es bundesweit. Nun aber drängen für die umweltfreundliche Stromerzeugung kleine Windkraftanlagen auf den Markt, wichtige Technik dafür kommt aus Lüneburg.
Auf den ersten Blick sieht das Gerät aus wie ein Fahrrad-Ergometer, mit dem zum Beispiel Belastungs-EKGs zur Funktion des Herzens gemacht werden können. Doch das Testgerät in der Entwicklungsabteilung der Sieb Meyer AG prüft etwas anderes auf Herz und Nieren: "Wir zeigen damit, wie sich eine Kleinwindenergieanlage ,fühlt', wenn die Windenergie zu nutzbarer elektrischer Energie gewandelt wird. Besonders wichtig ist hierbei das Anlaufverhalten bei wenig Wind, was der ,Radfahrer' durch seine Muskelkraft selber ausprobieren kann", erläutert Ralph Kreisel, verantwortlich für den Produktbereich Einspeisetechnik.
 Ralph Kreisel von der SIEB & MEYER AG testet als "Radfahrer" mit Muskelkraft das Anlaufverhalten einer Kleinwindenergieanlage.
Herzstück für Kleinwindenergieanlagen wird künftig der Einspeiseumrichter "aeocon", den die SIEB MEYER AG nach knapp vierjähriger Entwicklungszeit auf den Markt bringen will. Die kleinen Kraftpakete können "genutzt werden von Produktionsbetrieben, Handelsbetrieben, Landwirten oder auch von privaten Haushalten mit hohem Strombedarf, wenn es darum geht, die Stromrechnung zu reduzieren - mit aus Wind erzeugtem Strom. Wir arbeiten mit den Herstellern von Kleinwindenergieanlagen zusammen", erklärt Ralph Kreisel. Für diese wurde der Einspeiseumrichter entwickelt, die SIEB & MEYER AG ist also Zulieferer.
Im Prinzip läuft das Ganze so: Auf einem Grundstück wird ein 10 bis 20 Meter hoher Mast errichtet, auf dessen Spitze der Rotor mit angeschlossenem Generator thront. Über ein Erdkabel ist dieser mit dem Einspeiseumrichter verbunden, der an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen ist - ähnlich einer Solaranlage. "Aus der Drehbewegung, die der Wind erzeugt, wird eine dreiphasige Wechselspannung erzeugt, die zum aeocon geführt wird. Unser Gerät setzt die Spannung in nutzbare 230-Volt-Spannung um, die ins Stromnetz eingespeist wird", erläutert Ralph Kreisel die Technik. Eine im Gerät integrierte Überlastschaltung sorgt dafür, dass der Rotor bei Stromausfall nicht unkontrolliert weiterläuft und überdreht.
 So sieht die Kleinwindkraftanlage der Wolfsburger Firma Tassa aus, für die die SIEB MEYER AG den Einspeiseumrichter entwickelt hat.
Die Kosten für eine solche Kleinwindenergieanlage mit fünf Kilowatt Nennleistung belaufen sich je nach Hersteller zwischen 15 000 und 30 000 Euro. "Ausgelotet werden muss im Vorfeld genau, dass die Leistung der Anlage im richtigen Verhältnis zum Stromverbrauch des Kunden steht", sagt Kreisel. Denn ein Überschuss könne zwar ins Netz eingespeist werden, "aber das ist zurzeit noch unwirtschaftlich. Für die Einspeisung des durch Windenergie erzeugten Stromes gibt es aufgrund der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) zwar 9,2 Cent pro Kilowattstunde, der Verbraucher bezieht die Kilowattstunde jedoch für zirka 20 Cent bei seinem Energieversorger." Besitzer von privaten Solaranlagen haben da die Nase vorn, sie erhalten 46,7 Cent Einspeisevergütung pro Kilowattstunde.
Interessiert man sich für eine Kleinwindenergieanlage, so muss im Vorfeld geprüft werden, ob am geplanten Standort ausreichend Wind vorhanden ist, damit der Windgenerator schnurrt und das kleine Gerät regenerative Energie in Strom umsetzt. "Für unterschiedliche Standorte gibt es verschiedene Anlagen. Doch nur dort, wo auch genug Wind weht, lohnt auch eine Windenergieanlage", sagt Kreisel. Eine Partnerfirma bietet mit dem aeolog ein System zur Messung an. Sorgen, dass nun allerorts Rotoren in Wohngebieten sprießen, müssen sich Bürger nicht machen. In der Regel sind Kleinwindenergieanlagen nur in Außengebieten, Misch- und Gewerbegebieten genehmigungsfähig.
Zukunftschancen für die kleinen Stromerzeuger sieht Kreisel zwar auch in Deutschland, "aber das wird nicht unser vorrangiger Markt sein". Vielmehr seien das Länder, "wo es Platz, guten Wind und Bedarf gibt wie zum Beispiel in Schottland, Irland, Portugal, Griechenland oder in den USA".
© Landeszeitung für die Lüneburger Heide 2009 Fotos: be/nh |